Klinische Falldokumentation Verlauf: 19.12.2025 – 14.10.2026 (ca. 300 Tage) Interdisziplinäre Konsultation (CMD)

Klinischer Fallbericht: Zahn 47

Verlaufsdokumentation einer initial oberflächlichen Fissurenkaries an Zahn 47 (Molar 2 inferior dexter) bei einem kariesarmen Patienten. Dokumentiert werden rezidivierende Aufbissschmerzen nach Kompositversorgung, Ausschluss einer Wurzelfraktur via DVT, Verdacht auf Cracked-Tooth-Syndrom, okklusale Entlastungsschliffe, Cerec-Teilkrone und die sekundäre Entwicklung einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) mit anteriorer Diskusverlagerung und teilweiser Kiefersperre (eingeschränkte Mundöffnung).

Patient
M, 29 Jahre
Keine Allgemeinerkrankungen, kariesarmes Gebiss, sehr gute Mundhygiene.
Ausgangsbefund
Fissurenkaries 47
Kavität Klasse I, Schmelz-Dentin-Grenze, Pulpa vital, Röntgen o.B.
Schmerzcharakter
NRS 0 bis 9 / 10
Initial mäßig, postoperativ okklusaler Belastungsschmerz, später Kautrauma.
DVT-Diagnostik
Wurzel intakt
Keine periapikale Läsion, Parodontalspalt zirkulär intakt, V.a. Mikroriss.
Aktueller Status (10/26)
Diskusverlagerung & Teilsperre
Anteriore Diskusverlagerung rechts mit teilweiser Kiefersperre (keine schwere/vollständige Sperre, jedoch eingeschränkte Schneidekantendistanz).
PRIMÄRDOKUMENTATION

Handschriftliches Krankheitstagebuch

Vom Patienten fortlaufend geführte Aufzeichnungen über Schmerzintensitäten, therapeutische Maßnahmen und Funktionsstörungen. Die Handschrift wurde vollständig transkribiert.

Wortgetreues Transkript (Chronologisch geordnet) 17 Einträge
19.12.2025 NRS 3 / 10
Sichtbares Loch Fissur Zahn 47 vom Patient entdeckt (Schmerz: 3/10).
Zu Befund & Makrofotos
07.01.2026 NRS 6 / 10
Röntgenbild klar, oberflächliches Loch, Füllung Kunststoff (Schmerz: 6/10).
Zu Füllung & Röntgenbildern
14.01.2026 Kauschmerz
Patient wird erneut vorstellig, Schmerzen am hinteren Teil beim Kauen.
Zu Wiedervorstellung
21.01.2026 NRS 0 / 10
Tausch der Füllung, daraufhin 1 Woche Ruhe (Schmerz: 0/10).
Zu Füllungstausch
04.02.2026 NRS 8,5 / 10
Wechsel zu Zahnarzt Aalen (davor Stuttgart), Schmerzen: 8,5/10.
Zu Praxiswechsel & Akutkontakt
05.02.2026 Oralchirurgie
DVT in Oralchirurgie unauffällig, Verdacht Mikroriss?
Zu DVT-Schnittbildern & OPG
06.02.2026 Schlifftherapie
Wechsel der Füllung geplant, Zahnschmelz wird komplett weggeschliffen (kein Kontakt mehr).
Zu Okklusionsentlastung
11.02.2026 Thermoschock
Patient heftige Wärme/Kälte empfindlich, Dentin lag komplett offen & wird versiegelt → Wechsel der behandelnden Ärztin.
Zu Dentinversiegelung
Feb – März 2026 NRS 3 / 10
Vermutung C-Faktor Problem → Zahn wird 1 Monat lang immer besser (Schmerz: 3/10).
Zu Beruhigungsphase
31.03.2026 NRS 9 / 10 (Peak)
Patient isst wieder normaler, Schmerzen bei harten Lebensmitteln auf 47 (Nüsse). Schießender / stechender Schmerz in 47 (Schmerz: 9/10). Patient entwickelte Angst vor Essen & Kauen wegen Schmerz.
Zu Kautrauma
27.05.2026 Symptomwandel
Aufbissschmerz verlagert sich von hinteren Höcker an vorderen Höcker.
Zu Schmerzlokalisation
08.06.2026 Cerec & Schiene
Cerec Vollkeramik Teilkrone auf 47 über gesamte Kaufläche. Patient bekommt Knirschschiene.
Zu Teilkronenversorgung
15.06.2026 Zementausbruch
Heftiger Schmerz als Klebereste der Teilkrone beim Essen wegbrechen.
Zu Kleberestetrauma
13.07.2026 NRS 8 / 10
Patient klagt über Höhe der Krone, Aufbissschmerzen (Schmerz: 8/10). Patient "vergisst" richtiges Kaumuster, Biss nicht reproduzierbar, Abschleifen schwierig. Patient hat wandernde neuroplastische Schmerzen an andren Zähnen.
Zu Okklusionskonflikt
August 2026 Kieferknacken
Kauen schwierig möglich, Muster vergessen, Patient beißt sich falsch auf die Zähne. Gehirn entwickelt mehr Angst vor Schmerz und Essen. Knacken im Kiefer & Knirschen wird immer schlimmer.
Zu Gelenkbelastung
September 2026 NRS 5 / 10
Patient kriegt Angst besser in Griff, Kauen wird normaler, Knacken stärker (Schmerz: 5/10). Neuroplastische Schmerzen an andren Zähnen verschwinden.
Zu Re-Konditionierung
Oktober 2026 Diskusverlagerung / Teilsperre
Patient hat Kiefersperre, Diskusverlagerung rechts, Mundöffnung blockiert. Schmerzen 47 weiterhin 5/10 nur noch am vorderen Höcker. Essen kaum möglich. Patient begibt sich in Funktionsdiagnostische Behandlung (CMD). Zukunft unklar :(.
Zu Diskusverlagerung & Teilsperre
Handschriftliche Primärquelle (Aufrecht entzerrt)
Handschriftliches Krankheitstagebuch Patient M29
Anonymisiert
QUANTITATIVE ERFASSUNG

Schmerzverlauf (NRS 0–10) im Behandlungszeitraum

Verlauf der subjektiven Schmerzstärke auf der Numerischen Rating-Skala (NRS 0–10). Tippen Sie auf die Messpunkte, um die zugehörige Behandlungsphase aufzurufen.

NRS 0 (Asymptomatisch) NRS 1–3 (Leicht / Reizbar) NRS 4–6 (Mäßig / Belastung) NRS 7–9 (Stark / Kautrauma) CMD / Partielle Sperre
19.12.25 Erstbefund 3/10
07.01.26 Füllung 1 6/10
21.01.26 Tausch 1 0/10
04.02.26 Praxiswechsel 8.5/10
05.02.26 DVT Oralch. DVT
31.03.26 Kautrauma 9/10
08.06.26 Teilkrone Cerec
13.07.26 Bisskonflikt 8/10
10/2026 Teilsperre CMD
KASUISTIK IM DETAIL

Chronologischer Behandlungs- und Befundverlauf

Strukturierte Dokumentation aller 17 Behandlungsphasen mit intraoralen Makroaufnahmen, Einzelzahnfilmen, digitaler Dichtemessung, CBCT/DVT-Schnittbildern und OPG.

Phase 01
19.12.2025 NRS 3 / 10 Selbstbefundung

Initialer Schmelzeinbruch / Fissurendefekt an Zahn 47

Tagebuch: „Sichtbares Loch Fissur Zahn 47 vom Patient entdeckt (Schmerz: 3/10).“

Klinische Beobachtung einer umschriebenen Verfärbung im Zentrum der Fissur von Zahn 47. Keine Spontanschmerzen, milder Reizschmerz bei süßen Speisen. Initiale Karies Klasse I ohne Ausdehnung in das mittlere Dentindrittel.

Phase 02
20.12.2025 NRS 3 / 10 Voruntersuchung

Makrofotografische Dokumentation der Okklusalfläche

Hochaufgelöste fotografische Erfassung der Höckerabhänge (Höcker mesio-buccalis, disto-buccalis, mesio-lingualis, disto-lingualis). Keine makroskopischen Schmelzsprünge oder Frakturlinien erkennbar.

Phase 03
07.01.2026 NRS 6 / 10 Zahnarztpraxis Stuttgart

Erstversorgung: Direkte Kompositrestauration & postoperativer Belastungsschmerz

Tagebuch: „Röntgenbild klar, oberflächliches Loch, Füllung Kunststoff (Schmerz: 6/10).“

Röntgenologischer Befund: unauffällige apikale Verhältnisse, keine Approximalkaries. Es erfolgt die Exkavation der Fissur und adhäsive Versorgung mit Komposit. Postoperativ kommt es jedoch nicht zur Schmerzlinderung, sondern zur Entstehung eines deutlichen Aufbissschmerzes (NRS 6/10).

Differenzialdiagnostische Überlegung: Das Auftreten von Kaubeschwerden unmittelbar nach Fissurenfüllung ist ein klassischer Hinweis auf Polymerisationsspannungen (hoher C-Faktor bei Klasse-I-Kavitäten) oder Mikrobewegungen von Schmelzprismen bei Krafteinleitung.
Phase 04
08.01.2026 NRS 6 / 10 Digitale Radiologie

Digitale Dichtemessung und Röntgenkontrast-Filterung

Zur Evaluierung eventueller Kavitätenrandundichtigkeiten oder okkulter Pulpabeteiligung wird das Röntgenbild mittels digitaler Kontrast- und Grauwertgradienten gefiltert.

Phase 05
14.01.2026 Kaubeschwerden Wiedervorstellung

Rezidivierende Beschwerden am distalen Höckerkomplex

Tagebuch: „Patient wird erneut vorstellig, Schmerzen am hinteren Teil beim Kauen.“

Der Patient berichtet über punktuell auslösbare Kauschmerzen bei Druckbelastung auf den distalen Höckeranteil. Palpation der Mukosa unauffällig, Sensibilitätsprobe (Kälte) positiv und zeitgerecht.

Phase 06
21.01.2026 NRS 0 / 10 (Remission) Therapieintervention

Re-Restauration (Füllungstausch) & temporäre Beschwerdefreiheit

Tagebuch: „Tausch der Füllung, daraufhin 1 Woche Ruhe (Schmerz: 0/10).“

Vollständige Entfernung des Erstkomposites und Neulegung einer Füllung unter optimierter Inkrementtechnik. Der Patient erfährt für ca. 7 Tage eine vollständige Remission (NRS 0/10), bevor der Kauschmerz erneut progredient zunimmt.

Phase 07
23.01.2026 Rezidiv Apikale Diagnostik

Radiologische Apikalanalyse bei Schmerzrezidiv

Aufgrund der zurückkehrenden Beschwerden erfolgt eine radiologische Detailanalyse der mesialen und distalen Wurzelspitzen. Keine periapikale Aufhellung, lamina dura kontinuierlich, Parodontalspalt unauffällig.

Phase 08
24.01.2026 Zweitmeinung Vergleichsdiagnostik

Duale Röntgen-Vergleichsdiagnostik (Anonymisiert)

Gegenüberstellung zweier Aufnahmen im Zeitverlauf zur Beurteilung etwaiger Knochenumbaureaktionen oder interradikulärer Aufhellungen. Sämtliche Patientenmetadaten und Identifikatoren wurden vollständig geschwärzt.

Phase 09
25.01.2026 Multimodal Konsildokumentation

4-Perspektiven-Status vor Behandlerwechsel

Umfassende Zusammenstellung des Bildmaterials vor Kontaktaufnahme zur Zweitmeinung: Intraorales Foto, Einzelzahnfilm 47, Apex-Ausschnitt und Sektoraufnahme des 4. Quadranten.

Phase 10
04.02.2026 NRS 8,5 / 10 Praxiswechsel Aalen

Konsultation Zahnarztpraxis Dr. Z. bei akuter Schmerzexazerbation

Tagebuch: „Wechsel zu Zahnarzt Aalen (davor Stuttgart), Schmerzen: 8,5/10.“

Vorstellung in neuer Praxis aufgrund massiver Kauschmerzen (NRS 8,5/10) und ausgeprägter Heiß-/Kalt-Überempfindlichkeit. Beginn der strukturierten Praxis-Patienten-Kommunikation via WhatsApp.

Phase 11
05.02.2026 CBCT / DVT Oralchirurgie Dr. S.

Digitale Volumentomographie (DVT) & OPG: Ausschluss Wurzellängsfraktur

Tagebuch: „DVT in Oralchirurgie unauffällig, Verdacht Mikroriss?“

Zur differenzialdiagnostischen Abklärung einer Wurzellängsfraktur (Vertical Root Fracture) erfolgte die Überweisung zur 3D-Volumentomographie (DVT mit isotroper Voxelgröße von 120 µm) sowie Anfertigung einer Panorama-Übersichtsaufnahme (OPG). Befund: Wurzelanatomie vollständig intakt, kein parodontaler Knocheneinbruch, kein Nachweis einer Frakturlinie. Der Verdacht auf ein Cracked Tooth Syndrome (CTS) im koronalen Schmelz-Dentin-Bereich erhärtet sich.

CBCT / DVT SCHNITTBILD-CONSOLE Zahn 47 • Voxelauflösung: 120 µm isotrop • 90 Diagnostische Schichten (1,47 MB)
DVT Schnittbild Zahn 47
AXIAL (OKKLUSAL ➔ APEX)
Koronale Pulpakammer & Bifurkation
Z-Tiefe: +7.98 mm über Apex
Schicht 19 / 40
Mit Mausrad scrollen oder Schieberegler ziehen
Okklusal (Krone) Pulpakammer Bifurkation Wurzelkanäle Apex
Radiologischer Befundbericht (Zahn 47)
  • Kronenbereich (Schichten 00–15): Nachweis der okklusalen Kavität, keine Pulpaperforation, keine makroskopische Wurzellängsfraktur.
  • Wurzelkanalsystem (Schichten 16–33): Regelrechte Darstellung der mesialen (mesio-bukkaler & mesio-lingualer) sowie des distalen Wurzelkanals. Keine Aufhellung der Bifurkation.
  • Periapikaler Raum & Parodontium (Schichten 34–39): Zirkulär intakter, ununterbrochener Parodontalspalt. Kein Anhalt für eine vertikale Wurzelfraktur (VRF).
Phase 12
06.02.2026 Okklusalabtrag Praxis Dr. Z.

Okklusionsentlastung: Vollständiger Schmelzabtrag der Kaufläche

Tagebuch: „Wechsel der Füllung geplant, Zahnschmelz wird komplett weggeschliffen (kein Kontakt mehr).“

Zur Ausschaltung jeglicher funktioneller Scherkräfte auf die vermutete Frakturlinie wird die okklusale Zahnsubstanz aus der statischen und dynamischen Okklusion geschliffen. Hierdurch kommt es zur Exposition von Dentintubuli.

Phase 13
11.02.2026 Thermoschock Arztwechsel intern

Akute Dentinhypersensibilität & adhäsive Dentinversiegelung

Tagebuch: „Patient heftige Wärme/Kälte empfindlich, Dentin lag komplett offen & wird versiegelt → Wechsel der behandelnden Ärztin.“

Das ungeschützte Dentinareal führt zu intensiver Reizbarkeit (hydrodynamischer Mechanismus nach Brännström). Es erfolgt eine adhäsive Versiegelung der Tubuli. Fallübernahme durch die Praxisärztin Dr. med. dent. B.

Phase 14
Feb – März 2026 NRS 3 / 10 Konsolidierung

C-Faktor-Hypothese & 4-wöchige Besserung

Tagebuch: „Vermutung C-Faktor Problem → Zahn wird 1 Monat lang immer besser (Schmerz: 3/10).“

Nach Entlastung und Versiegelung stabilisiert sich der Zahn über vier Wochen auf einem tolerablen Niveau (NRS 3/10). Die Annahme eines reinen C-Faktor-Problems scheint zunächst bestätigt.

Phase 15
31.03.2026 NRS 9 / 10 (Peak) Kautrauma

Okklusales Belastungstrauma (Hartkörperkaufunktion) & Schmerzspitze

Tagebuch: „Patient isst wieder normaler, Schmerzen bei harten Lebensmitteln auf 47 (Nüsse). Schießender / stechender Schmerz in 47 (Schmerz: 9/10). Patient entwickelte Angst vor Essen & Kauen wegen Schmerz.“

Beim Kauen fester Nahrung (Nusskern) kommt es zu einem plötzlichen, lanzierenden Schmerzimpuls (NRS 9/10). Dieser Vorfall begründet eine ausgeprägte Kautrauma-Phobie (Kinesiophobie des Kausystems) mit einseitiger Kaubelastung links.

Phase 16
27.05.2026 Mesial-Shift Verlaufskontrolle

Symptomverlagerung: Vom distalen zum mesialen Höcker

Tagebuch: „Aufbissschmerz verlagert sich von hinteren Höcker an vorderen Höcker.“

Die Schmerzempfindlichkeit verschiebt sich nach mesial. Mögliche Ursache ist eine veränderte Vektorauslenkung infolge chronischer Ausweichbewegungen des Kiefers.

Phase 17
08.06.2026 Cerec Teilkrone Prothetische Stabilisierung

Höckerübergreifende Cerec-Vollkeramik-Teilkrone & Aufbissschiene

Tagebuch: „Cerec Vollkeramik Teilkrone auf 47 über gesamte Kaufläche. Patient bekommt Knirschschiene.“

Zur Schienung und Fassung des Zahnes (Cusp Capping gegen Frakturfortleitung) wird eine adhäsiv befestigte Cerec-Teilkrone eingegliedert. Zur Entlastung des Kausystems wird eineadjustierte Schiene verordnet.

Phase 18
15.06.2026 Zementausbruch Akutvorfall

Abbruch von Zementresten unter Kaubelastung

Tagebuch: „Heftiger Schmerz als Klebereste der Teilkrone beim Essen wegbrechen.“

Eine Woche nach Eingliederung brechen approximale Kompositzement-Überschüsse beim Kauen ab. Die plötzliche Krafteinleitung triggert eine erneute Schmerzspitze.

Phase 19
13.07.2026 NRS 8 / 10 Neuromuskulärer Konflikt

Kronenhöhendiskrepanz, Verlust des Kaumusters & neuroplastischer Schmerz

Tagebuch: „Patient klagt über Höhe der Krone, Aufbissschmerzen (Schmerz: 8/10). Patient 'vergisst' richtiges Kaumuster, Biss nicht reproduzierbar, Abschleifen schwierig. Patient hat wandernde neuroplastische Schmerzen an andren Zähnen.“

Der Patient empfindet die Teilkrone als störenden Frühkontakt. Im Behandlungsstuhl lässt sich die habituelle Interkuspidation neuromuskulär nicht mehr reproduzieren (Verlust des motorischen Engramms). Gleichzeitig treten diffuse, wandernde Schmerzen an Zähnen des Gegenkiefers und der Gegenseite auf (zentrale Sensitivierung).

Phase 20
August 2026 Gelenkknacken Artikuläre Beteiligung

Progrediente Myoarthropathie & Kiefergelenkgeräusche

Tagebuch: „Kauen schwierig möglich, Muster vergessen, Patient beißt sich falsch auf die Zähne. Gehirn entwickelt mehr Angst vor Schmerz und Essen. Knacken im Kiefer & Knirschen wird immer schlimmer.“

Zunehmende muskuläre Fehlspannung der Kaumuskulatur (M. masseter, M. temporalis, M. pterygoideus lat.). Entstehung eines rezidivierenden Reibe- und Knackgeräusches im rechten Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis).

Phase 21
September 2026 NRS 5 / 10 Symptomverschiebung

Remission der neuroplastischen Begleitschmerzen bei Gelenkprogredienz

Tagebuch: „Patient kriegt Angst besser in Griff, Kauen wird normaler, Knacken stärker (Schmerz: 5/10). Neuroplastische Schmerzen an andren Zähnen verschwinden.“

Durch Verhaltensanpassung gelingt eine Schmerzdistanzierung. Die Projektionsschmerzen an den Nachbarzähnen remittieren. Gleichzeitig nimmt jedoch die artikuläre Instabilität im rechten Kiefergelenk weiter zu.

Phase 22
Oktober 2026 Diskusverlagerung / Teilsperre Funktionsdiagnostik

Anteriore Diskusverlagerung rechts mit teilweiser Kiefersperre

Tagebuch: „Patient hat Kiefersperre, Diskusverlagerung rechts, Mundöffnung blockiert. Schmerzen 47 weiterhin 5/10 nur noch am vorderen Höcker. Essen kaum möglich. Patient begibt sich in Funktionsdiagnostische Behandlung (CMD). Zukunft unklar :(.“

Klinische Revision & Status: Anteriore Diskusverlagerung im rechten Kiefergelenk mit teilweiser (partieller) Kiefersperre (keine schwere bzw. vollständige Kiefersperre, jedoch deutliche Einschränkung der Schneidekantendistanz und schmerzhafte Kaukraftblockade). Überweisung zur spezialisierten klinischen und instrumentellen Funktionsdiagnostik (CMD).

Klinisches Fazit / Epikrise: Eine Kaskade aus okklusaler Frühreizung, Verdacht auf inkomplette Schmelz-Dentin-Fraktur (Cracked Tooth Syndrome), wiederholten Einschleifmaßnahmen und chronischer Ausweichhaltung führte zur Dekalibrierung des sensomotorischen Kaumusters und schlussendlich zur Gelenkdekompensation.
ÄTIOLOGIE & PATHOMECHANIK

Klinische Analyse der Komplikationsursachen

Biophysikalische und funktionelle Zusammenhänge zwischen Kavitätengeometrie, Mikrorissen und Kausystem-Dekompensation.

01

C-Faktor-Problematik (Configuration Factor)

Verhältnis gebundene zu freie Oberfläche

Tiefe Fissurenkavitäten weisen einen ungünstigen C-Faktor (> 5) auf. Da das Komposit nur an der okklusalen Freifläche schrumpfen kann, wirken erhebliche Schrumpfungsvektoren auf die gegenüberliegenden Schmelz-Dentin-Wände, was Höckerverbiegungen und postoperativen Kauschmerz provozieren kann.

02

Cracked Tooth Syndrome (CTS)

Inkomplette Zahnfraktur ohne Wurzeltrennung

Mikrorisse verlaufen oft parallel zur Strahlenrichtung und entziehen sich selbst hochauflösenden DVT-Aufnahmen (120 µm Voxel). Der typische Schmerz tritt bei Druckentlastung (Rebound Effect) auf, wenn die getrennten Schmelzsegmente elastisch zurückfedern und Odontoblastenfortsätze irritieren.

03

Verlust des motorischen Engramms

Dekalibrierung des Kaumusters

Wiederholte Einschleifmaßnahmen bei chronischem Kauschmerz führen zum Verlust der propriozeptiven Rückkopplung (Rezeptoren im Parodontalligament). Das Kleinhirn verliert das gespeicherte zentrische Kaumuster; der Biss wird im Behandlungsstuhl unreproduzierbar.

04

Anteriore Diskusverlagerung & Teilsperre

Partielle Kiefersperre (CMD)

Dauerhafte Schonhaltung und Hypertonus des M. pterygoideus lateralis verlagern den Discus articularis nach antero-medial. Dies führt zu einer mechanischen Teilsperre (teilweise Kiefersperre mit eingeschränkter Schneidekantendistanz, keine vollständige Ankylose).

PRAXIS-KOMMUNIKATION

Dokumentation der Arzt-Patienten-Kommunikation

Vollständiges Kommunikationsprotokoll (150 Nachrichten) zwischen Patient und Praxis Dr. Z. im vertrauten mobilen Messenger-Format. Alle Behandler- und Mitarbeiter-Identifikatoren wurden anonymisiert.